Sehr geehrter Diabetes.

Sehr geehrter Diabetes,

eine Initiative von mir bekannten Blogger-Freunden lässt mich seit langer Zeit mal wieder direkten Kontakt zu Dir aufnehmen. Mehr zur sogenannten „Diabetes-Blog-Woche 2014“ findest Du unter folgendem Link:

Diabetes Blog Woche 2014 Logo

Wir kennen uns nun mittlerweile schon über 5 Jahre und doch stehe ich unserer Beziehung immer noch mehr als kritisch gegenüber. So kritisch sogar, dass ich gar nicht recht weiß, was ich Dir eigentlich schreiben sollte. Deshalb versuche ich das jetzt auf den letzten Drücker, nur um Montags diesen Brief an Dich fertig zu haben.

Am Anfang unseres Kennenlernens war es wie in jeder beginnenden Beziehung: Alles war neu, sehr aufregend und mir war kaum möglich, meine Gefühle Dir gegenüber unter Kontrolle zu haben. Einerseits sah ich Dich als Strafe für meinen sorglosen Lebensstil der letzten 30 Jahre, andererseits begriff ich Dich auch als Chance für einen Neuanfang. Mit Dir gemeinsam wollte ich ein neues Leben beginnen.

Mittlerweile sind wir längst im Alltag versunken und alle Aufregung hat sich gelegt. Wenn Du mich in eine Unterzuckerung schickst, dann schüttle ich nur noch mit dem Kopf und weiß genau wie ich Dir entgegenwirke. Lässt Du mich zu lange hohe Blutzuckerwerte haben, dann nehme ich Dir auch das nicht mehr wirklich übel. Ich gebe zu, dass ich mir in manchen Lebenslagen noch immer nicht meine volle Flexibilität zurück erkämpft habe, aber auch da geht es in kleinen Schritten immer weiter voran. Du wirst schon sehen.

Vermutlich wirst Du gerne hören, dass ich vorhabe auch die nächste Jahre sorgfältig meine Insulintherapie anzuwenden, halbwegs regelmäßig zum Arzt zu gehen, meinen HbA1c immer unter 7 zu halten und jeden Tag, jede Stunde immer zu wissen, wie viel Insulin und Kohlenhydrate gerade durch meine Venen zirkulieren. Ich akzeptiere Dich als Teil der ungeliebten Verwandtschaft.

Aber eines Tages, musst Du wissen, werden wir uns trennen. Oder ich werde Dich in technische Obhut geben. In’s Heim! Das werden wir beide noch erleben – die Zeit arbeitet für mich. Und bis dahin pflege ich Dich selbst. Als Parasit, den ich nicht lieb gewinnen kann, an den ich mich aber gewöhnt habe.

Höflichst – Dein Typ

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2 Gedanken zu „Sehr geehrter Diabetes.

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